Fragen Sie Frau Andrea: Fiaker

Stadtleben | aus FALTER 26/03 vom 25.06.2003

Liebe Frau Andrea,

der Wiener Bürgermeister Michael Häupl wird oft als Fiaker bezeichnet. Woran liegt das? Hat er eine geheime Leidenschaft für Pferdewagen? Kommt er gar aus einer Kutscherfamilie? Und woher kommt überhaupt das Wort Fiaker?

Liebe Grüße,

Miriam Slavata,

Lerchenfelder Straße

Liebe Miriam,

Michael Häupl wird gerne als Fiaker bezeichnet, weil er aussieht wie ein Fiaker. Ein Fiaker hat, ganz wie der Bürgermeister, einen gesunden Bauch, ein festes Wesen und einen guten Spruch. Und vor allem hat der Fiaker einen dichten, nicht zu geckenhaften Schnurrbart. Von der physiognomischen Grundausstattung ist also Michael Häupl den Lohnkutschern so nahe wie einst Viktor Klima den Friseuren oder Helmut Zilk den Oberlehrern. Die Bezeichnung Fiaker selbst hat durchaus internationales Format. Das Wort stammt aber nicht aus Brünn oder Prag, weder aus Budapest noch aus Krakau, sondern aus Paris. Es rührt von einem Haus zum heiligen Fiacrius (Hotel St. Fiacre), das im 17. Jahrhundert in der rue St. Antoine stand und das auf der Stirnseite ein Bildnis des Heiligen führte. Hier wohnte zur Zeit Ludwigs XIV. ein gewisser Nicolas Sauvage, der im Jahr 1650 das Sonderrecht erwarb, Lohnkutschen zu halten, die von nun an ihren Stand beim Wirtshaus zum Heiligen Fiacre hatten. Es wurde in Paris bald üblich, Mietkutschen als "Wagen des Hl. Fiacrius" (voitures de St. Fiacre) oder einfach als fiacres, Fiaker zu bezeichnen. Danach wurde Fiaker der Name für alle in größeren Städten mit zwei Pferden bespannten Mietfuhrwerke. Die Wiener Fiaker hatten in der vorautomobilistischen Zeit durchaus eine emotionelle Befindlichkeit, wie wir sie heute von Taxifahrern und im gegenständlichen Fall vom Bürgermeister kennen.

Wenn auch Sie vor ungelösten Rätseln stehen, elektromailen Sie Frau Andrea: dusl@falter.at


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