NÜCHTERN BETRACHTET: Aus dem Leben eines Kundenkartenkönigs

Kultur | aus FALTER 27/03 vom 02.07.2003

Verkäufer(innen) haben an mir gemeinhin eine große Freude. Nicht nur, weil ich meinerseits recht kauffreudig und damit in der Regel auch verkäuferfreundlich bin, ich gehöre auch noch zu jenen Konsumenten, die auf die Frage, ob man bereits eine Kundenkarte besitze, in der Mehrzahl der Fälle wahrheitsgemäß mit ja antworten bzw. im Verneinensfalle die unweigerlich folgende Frage, ob man dann eventuell eine Kundenkarte wolle, mit "warum nicht?!" zu antworten pflegen. Ja, ich gehöre sogar zu jenen zwei Promille meiner Alters- und Geschlechtsgenossen, die eine Drogeriemarktkundenkarte besitzen, obwohl ich wenig Anlass finde, sie zu benutzen, da mir dies für den Erwerb eines Säckchens Schokozimtmandeln zu aufwendig erscheint (apropos: Wo sind die Schokozimtmandeln eigentlich abgeblieben? Sollte es sich um eine Winternascherei handeln, die jetzt in den Sommerferien ist?). Die Verwendung meiner Sportbedarfshandlungskundenkarte am Samstag verlief an sich reibungslos, sieht man davon ab, dass komplizierte und langwierige finanztechnische Transaktionen notwendig waren, um mir das Kombiangebot von Junior-Schlaf- und -Rucksack plus Signalpfeife komplett und zum korrekten Preis auszufolgen. Sämtliche Komplikationen, die sich am Vortag in einem Kleidergroßkaufhaus ergeben haben mögen, gehen allerdings auf mich zurück. Nachdem ich eine Kundenkarte gelöst und die zwei Schnäppchenstücke von der Verkäuferin zum Packtisch hatte tragen lassen, kam es - angesichts der Schlange vor der Kassa - zu einem jähen Abschwellen meiner Ausverkaufserektion, und ich verließ deprimiert das Kaufhaus. Ich bitte die gute, jetzt um ihre redlich verdienten Provisionen geprellte Frau, mir dieses fragwürdige und für mich völlig untypische Verhalten nachzusehen. Ich gehe jetzt eine Woche campen, und wenn das hellblaue Kurzarmshirt mit verdeckter Knopfleiste in L und die braun-grau gemustere Hose Gr. 50 noch da sind, kann man ja weitersehen. Ich glaube, außer mir will die eh niemand.


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