STADTRAND: Trennungsgerüche

Stadtleben | aus FALTER 27/03 vom 02.07.2003

Vergangene Woche hatte Wien Besuch aus Havanna. Diesmal war es nicht die Alte-Männer-Kombo des Buena Vista Social Club, sondern Abfallexperten aus der kubanischen Hauptstadt. Diese schauten sich an, wie die Mülltrennung in Wien so funktioniert. Auf dem Programm standen ein Besuch der Abfallbehandlungsanlage im "Mistezelt", die Besichtigung der Kompostwerke Lobau und Schafflerhof, die Führung auf der Deponie Rautenweg sowie diverse Fachvorträge zu den Themen Sanierung von Altlasten, Kompost und Öffentlichkeitsarbeit. Die Kubaner waren angeblich sehr begeistert - so sehr, dass sie jetzt das Wiener System in Havanna etablieren wollen. Offenbar hat ihnen niemand einen ganz normalen Wiener Mistplatz gezeigt, dort wo alle Trennung ihren Anfang nimmt. Am Mistplatz stellt sich nämlich heraus, dass die meisten Wiener extreme Trennungsidioten sind, die ihren Plastikmüll am liebsten in die Biotonne kippen, Dosen in den Plastikcontainer und altes Frittierfett am allerliebsten gleich auf der Straße verteilen. Altpapiertechnisch hätten die Kubaner überhaupt besser gleich nach Tirol oder Vorarlberg reisen sollen. Im Westen bekennen sich einer aktuellen Umfrage zufolge nämlich hundert Prozent der Bevölkerung zur Trennung. In Wien sind es gerade mal 88 Prozent. Wenn das mal nicht stinkt. C. W.


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige