Spinnen & denken

Stadtleben | Wolfgang Paterno | aus FALTER 27/03 vom 02.07.2003

Shop. Aus Abfall und Müll wird bei gabarage echt entzückendes Design gezaubert.

Es ist, zum einen, eine ganz gewöhnliche Werkstatt, wo gebohrt, gefräst, gehämmert wird. Zum anderen ist das Projekt gabarage eine Ideenwerkstatt, wo beim großen Grübeln über den Nutzungszweck von weggeworfenen Alltagsgegenständen etwaig Geniales herauskommt. "Unsere Mitarbeiter, die Künstler und Designer, die von uns zu Workshops eingeladen werden, spinnen und denken manchmal wochenlang herum", sagt Carsten Leonhardi, Projektassistent bei gabarage. "Und dann macht es heureka!"

Der Geistesblitz wird kultiviert: Das von der Sozialarbeiterin Barbara Schandl begründete gabarage versteht sich als sozialökonomischer Betrieb, in dem Menschen, die eine stationäre Drogenlangzeittherapie erfolgreich abgeschlossen haben, auf ihren ersten Arbeitstag in der Ellbogengesellschaft vorbereitet werden sollen. In der Praxis ist das Projekt eine normale Werkstätte, in der von zwölf Mitarbeitern aus zusammengeschnorrtem Müll Design mit höchstem Anspruch fabriziert wird. Kundschaft, die glaubt, sich hier den "Zoobesuch ersparen zu können" (ein Mitarbeiter), wird dezent aus dem Geschäft hinauskomplimentiert.

Eine ziemlich einzigartige Idee war etwa die Sache mit den ausrangierten Ampeln. Kistenweise hat die MA 33, Straßenbeleuchtung, das rot-gelb-grüne Plastikglas unentgeltlich in der Werkstatt abgeliefert; jetzt kann man sprichwörtlich "Blumenampel-Vasen" kaufen. Aus Straßenlaternen werden Obstschalen, aus 1000-Liter-Behältern Duschen, aus Karategürteln Sofabezüge, aus Bierbänken wird edles Gestühl. Das Grübeln lässt Leonhardi jedenfalls nicht mehr los: "Was", fragt er sich ernstlich, "kann man aus Zigarettenkippen Sinnvolles machen?" Die Lösung in Bälde im gabarage.

gabarage, 4., Schleifmühlg. 6, Mo-Do 8.30-17, Fr 8.30-13 Uhr, Tel. 585 76 32, www.gabarage.at


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