Schatten über Ungarn

Kultur | KLAUS KASTBERGER | aus FALTER 28/03 vom 09.07.2003

LITERATUR.  Péter Esterházy und Lászlo Marton gehen der grausamen Arbeit der Geschichte in Zeiten des Kádár-Regimes respektive des Nationalsozialismus nach. 

Vor drei Jahren hat Péter Esterházy in seinem großen Buch "Harmonia Caelestis" dem eigenen Vater ein liebevolles literarisches Denkmal gesetzt. Mitten in den letzten Korrekturarbeiten erfuhr der Autor, dass ihm vom zuständigen ungarischen Ministerium Einsicht in die Spitzelakten über seine Familie gewährt würde. Bei deren Sichtung musste Esterházy allerdings schon nach einem kurzen Blick feststellen, dass es sich nicht um das erwartete Dokument handelte, sondern dass der Vater selbst, dieser vermeintlich unbeugsame Mann, vom Kádár-Regime als Informant angeworben worden war. In seiner Rolle als Denunziant hatte sich Fürst Esterházy so sehr bewährt, dass ernsthaft erwogen wurde, ihn als einen Doppelagenten einzusetzen - eine Aufgabe, für die nur die besten und zuverlässigsten Spitzel ausersehen waren.

  Für den


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