STREIFENWEISE

Kultur | M.OMASTA/D. ROBNIK | aus FALTER 28/03 vom 09.07.2003

Was vom Dogma übrig blieb: Thomas Vinterberg (Regisseur von "Festen") und Anders Thomas Jensen (Drehbuchautor von "Mifune sidste sang"), zwei ehemalige Verfechter besagten Produktionslabels, lassen Dogma neuerdings Dogma sein und versuchen sich mit dem Mainstream zu arrangieren. Vinterbergs (englisch gedrehter) "It's All About Love" erzählt die Geschichte einer von ihrem Manager und mehreren Doppelgängerinnen bedrohten Eislaufprinzessin (Claire Danes) im New York von 2021, Jensens "Blinkende Lygter" (deutscher Titel: "Flickering Lights") die Geschichte von vier Gangstern auf der Flucht, die in der Einschicht ein aufgelassenes Restaurant wiedereröffnen. So bescheuert die Handlung des ersten Films ist, so bescheuert sind die Helden des zweiten. Da wie dort herrscht punkto Inszenierung die völlige Ratlosigkeit, wobei Jensens "schräge Gaunerkomödie" zeitweise immerhin noch amüsant, Vinterbergs aufgeblähter Paranoiathriller nur mehr "schräg" ist.

  "Full Throttle" lautet im Original der Zusatztitel des Sequels von "Drei Engel für Charlie"; liest sich wie "Volltrottel", wird mit "Volle Power" übersetzt und muss in beiden Fällen nicht viel heißen. Oder doch: vertrottelte Power, also ohne jede Reflexion sich im Bild euphorisch bejahende Girlie- als Kapital-Power, als Kaufkraft und Rechenleistung. In besinnungslosen Zuckungen und pflichtbewusster Rasanz modulieren Gender- und Sozioidentitäten (Engel als Nonnen, beim Strippen oder Motocross), Kampfsport und Zoten, Trauma und Retro, Frisuren und Fetzen. Drew Barrymore trägt etliche Prolo-Metal-T-Shirts, Robert Forster, Bruce Willis und Pink spielen Kleinstrollen, ständig wackeln Ärsche. Spannend wird dieser Spaßvitalismus nur, wenn kurz der Skandal körperlicher Endlichkeit im Bild aufblitzt: Eine Falte an Cameron Diaz' Hals ist so obszön wie alle burschikosen Schwellungen und Prellungen von "Jackass" zusammen.


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