AUFGEBLÄTTERT

Kultur | MARTIN DROSCHKE | aus FALTER 28/03 vom 09.07.2003

Welches Tabu brach noch mal 1996 der Kultfilm "Trainspotting" nach dem gleichnamigen Roman des schottischen Schriftstellers Irvine Welsh? Richtig: gar keines! Aufsehen erregte das Kinostück, das sich inhaltlich kaum einen Zentimeter von der fast fünf Jahrzehnte davor gelebten Drogenrevolte der Beatgeneration entfernt hatte, lediglich durch seine exzentrische Kameraführung. Trotzdem behauptet Arne Hoffmann in seinem "Lexikon der Tabubrüche", "Trainspotting" hätte mit der revolutionären Behauptung schockiert, dass "die bürgerliche Existenz mindestens ebenso entfremdet und seelenlos" sei "wie das Leben als Junkie". Wen das schockiert? Alle, die wie Hoffmann anscheinend nie etwas von Allen Ginsberg & Co gehört haben, "T" wie "Trainspotting" folglich für lexikontauglich halten; und denen im Gegenzug der Name Oskar Panizza nichts sagt, weswegen der im Lexikon auch fehlen darf.

  1894 beschlagnahmte der Münchner Staatsanwalt Panizzas Theaterstück "Das Liebeskonzil" und dessen antiklerikales


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