NÜCHTERN BETRACHTET: Zwei Tage Ferien

Kultur | aus FALTER 28/03 vom 09.07.2003

Folgt man einer konventionellen Definition von Urlaubsvergnügen, dann war mein letztwöchiger Aufenthalt im Mühlviertel ein totaler Reinfall. Man muss das aber nicht so sehen. Zugegeben: mit einem unförmigen, von diversen Rollen und Säcken überwucherten Rucksack mehr als vier Stunden per Bahn und Taxi anzureisen, um kurz mal Schwimmen zu gehen, eine unfassbar öde Wanderung auf einer Forststraße ohne Charme und Aussicht zu unternehmen, sich vollregnen zu lassen und nach zwei Nächten mit einem unförmigen, von diversen Rollen und Säcken überwucherten Rucksack mehr als vier Stunden per Taxi und Bahn wieder heimzureisen (in Linz muss man auch noch den Bahnhof wechseln, aber da bin ich schwarzgefahren - hehehehe!), rangiert auch auf meiner Liste der Traumurlaube nicht unter den Top Ten, aber als Generalprobe wars doch ganz brauchbar. Ich weiß jetzt, dass ich mein 14 Jahre altes Interrailzelt noch aufstellen kann, dass es fast dicht ist, dass der Weg von Schwarzenberg nach Holzschlag der Mühe nicht lohnt und dass am Montag in Klaffer am Hochficht beide Wirtshäuser geschlossen sind. Wenn sie offen haben, kriegt man allerdings Schlägl Bier; und das hat selbst Iwan Klein, Großmufti des Missmuts und Ehrenprofessor für schlechte Laune an der Universität von Warschau, schon vor Jahren als "Fiebertraum" bezeichnet (ich glaube, es war wohlwollend gemeint gewesen). Außerdem habe ich die außergewöhnlichste Frage seit meiner Mathematikmatura gestellt bekommen: Als ich das regionale Taxi-Unternehmen kontaktierte und mitteilte, dass ich einen Wagen für die Fahrt von Klaffer nach Aigen-Schlägl benötigte, meinte die Dame am Telefon schlicht: "Warum?" (Man sieht, der Mühlviertler geht die Dinge gerne etwas gründlicher an.) Bemerkenswert auch das Klafferer Mikroklima: Während sich dort Wolken von der Farbe schmutziger Wattebäusche müde über den Böhmerwald wälzen, hat es im Rest des Landes eine Fernsicht, dass man Klöster von den Hügeln fotzen möchte.


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