Stadtrand: Cafémuseum

Stadtleben | aus FALTER 28/03 vom 09.07.2003

Der Sommer ist nicht unbedingt die beste Zeit, um ein Kaffeehaus aufzusuchen, das über den bekannt miesesten Schanigarten der Stadt verfügt. Wer aber in letzter Zeit doch Lust auf schlecht gelaunte Kellner, schlecht gebrauten Kaffee und schlecht gebaute Sitzmöglichkeiten verspürte und deswegen ins Café Museum gehen wollte, wurde überrascht: Das Café Museum hat geschlossen. Angeblich wegen Renovierung. Zumindest steht das auf Zetteln, die an den Fenstern kleben. Renovierungstechnisch hat sich dort aber in den vergangenen Wochen nichts getan. Vielmehr scheint es, als sei das trotz allem schwer beliebte Lokal am Karlsplatz nur vorübergehend zu. Auf den Marmortischen stehen noch die Aschenbecher, am Zeitschriftentisch liegen die Magazine, und hoffentlich kümmert sich jemand um die Pflanzen. Vielleicht bleibt bei dem Café ja eh alles beim Alten, Tradition und Kaffeehauskultur werden lediglich konserviert. Womöglich sperrt das Café Museum demnächst als Cafémuseum wieder auf, und man wird dort zwar keinen Kaffee mehr trinken können, aber Statisten werden Kellner und Gäste darstellen. Und man wird sich daran erinnern, wie schön so ein original Wiener Kaffeehaus doch war: ein Ort, an dem der Kaffee ähnlich schwach ist wie das Mobiliar und die Ober schlechte Laune und Smoking tragen. C. W.


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