WENDY HOUSTOUN: Happy Hour

Extra | WOLFGANG KRALICEK | aus FALTER 28/03 vom 09.07.2003

Eines Tages erreichte Wendy Houstoun ein Brief aus Eritrea. Ein Bub schickte ihr "48 almost love lyrics", die er für Whitney Houston geschrieben hatte. Wegen der Ähnlichkeit der Namen hoffte er, sie könne vielleicht vermitteln. "Zu meiner Schande muss ich gestehen, dass ich weder dem Jungen geantwortet noch Whitney kontaktiert habe", sagt Wendy Houstoun. Immerhin hat die Londoner Performerin dem Songtexter aus Eritrea den Titel ihrer neuen Soloshow zu verdanken: "The 48 Almost Love Lyrics" wird am letzten Tag von ImPulsTanz im Schauspielhaus zu sehen sein.

  Houstoun wurde bekannt als Protagonistin des DV8 Physical Theatre, wo sie seit 1987 immer wieder engagiert ist; in der Tate-Modern-Performance "Living Costs" (siehe nebenstehenden Artikel) bewies sie als toughe "Reiseleiterin" ihre Entertainerqualitäten. Im Grenzbereich zwischen Tanzperformance, Theater und Comedy sind auch Wendy Houstouns Soloprojekte (darunter "Happy Hour" und "Haunted, Daunted and Flaunted") angesiedelt.

  In "The 48 Almost Love Lyrics" spielt sie unter anderem eine Tänzerin, die sich auf Befehl bewegt, einen durchgeknallten DJ, der eine George-Bush-Maske aufsetzt und seine Platten zertrümmert, eine schlechte Sängerin und eine smarte Moderatorin. Der kurze Abend beginnt mit einem endlos langen Filmvorspann ("Coming soon"), um dann nie richtig anzufangen. Mit 48 Liebesliedern hat die Performance nicht einmal "almost" etwas zu tun. So wie der junge Mann aus Eritrea völlig falsche Vorstellungen von der Welt hat, so findet sich auch die Performerin inmitten des medialen Chaos auf der Bühne (Film, Musik, Schauspiel) nicht wirklich zurecht.

  Wer sich von Wendy Houstouns Solo einen Tanzabend erwartet, wird enttäuscht sein. Wer sich Kabarett erwartet, auch. Die anderen könnten eine gute Zeit haben.

"The 48 Almost Love Lyrics", am 10.8., 21 Uhr, im Schauspielhaus.


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