Der Bilder-Schamane

PETRA RATHMANNER | Extra | aus FALTER 28/03 vom 09.07.2003

JOSEF NADJ. Der für spektakuläres Bewegungstheater bekannte Choreograph zeigt seine erste Soloperformance. 

Dass Sessel bloß zum Draufsitzen da sein sollen, will Josef Nadj nicht einsehen. Viel mehr lässt sich nach Meinung des ungarischen Choreographen mit Sitzmöbeln anstellen: Man kann sie in die Höhe stemmen oder kunstvoll darüber stolpern; man kann sie aber auch als Waffe einsetzen, indem man einander mit den Dingern bewirft; und wenn man sich ganz klein macht und sich darunter kauert, sind sie zudem als Schutzschild ganz brauchbar. Im paradoxen Tanzuniversum des Josef Nadj beginnen die Objekte zu tanzen, während die Tänzer selbst mitunter stocksteif auf der Bühne stehen, um sich wie Möbelstücke hin und her schieben zu lassen. Die Tänzer sind bei Nadj auch nicht zwangsläufig ätherische Wesen, die leichtfüßig über den Tanzboden schweben: Man findet auch bullige Männer darunter - breitbeinig wie Möbelpacker und mit vollgefressenem Bauch stehen diese dann auf der Bühne.

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