VOR 20 JAHREN IM FALTER

Vorwort | aus FALTER 29/03 vom 16.07.2003

Man muss es zugeben: Der Hang, andere zur Schau zu stellen, und die eigene Eitelkeit sind einander im Journalismus verwandt. Man muss auch zugeben, dass unter scheinbaren Sonderbedingungen die Schamschwelle immer noch ein Stückchen tiefer gelegt werden kann. Der so genannte Sommer war in frühen Falter-Jahren ein dafür gern gesehener Anlass.

  Da tat sich nämlich nicht nur die Notwendigkeit des Sommer-Service auf, die wie jedes Jahr naturgemäß das Übliche mit sich brachte: Listen von Badeplätzen, lauschigen Gastgärten, brauchbaren Schanigärten und anderen luftigen Unterhaltungen. Da wurde auch die Nachfrage nach Literatur befriedigt. Da gab es ein Dramolett von Antonio Fian (muss eines der ersten gewesen sein) mit dem Titel "Der jugendliche Mörder. Ein Sittenbild aus Hernals in einem Akt." Da gab es eine "literarische Nahreise" von Dieter Bandhauer, Robert Pfaller und Otmar Rychlik. Die drei feinnervigen Kerle hatten sich auf Strindbergs Spuren nach Klam und Saxen begeben, wo sie einen Flügel fanden, auf dem der Dichter gespielt haben musste. Wie der Kauf des Klaviers misslang, das ist liebevoll und lehrreich geschildert, man liest es gerne wieder.

  Dann aber, es sei nicht verschwiegen, gab es unter dem Prätext "Falter-Sommer" eine Seite mit "Jugendgedichten" von Autorinnen und Autoren, die sich nur mit ihren Jugendfotos zu erkennen gaben. Der Mantel des Vergessens sei schamvoll über sie gebreitet. Es sei denn, es kommen mehr als fünf Leserbriefe, die Näheres wissen wollen. A.T.


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