"Rühren kein Ohrwaschl"

Politik | NINA WEISSENSTEINER | aus FALTER 29/03 vom 16.07.2003

KULTUSGEMEINDE. Ab Herbst muss Wiens jüdische Gemeinde aus Geldnot erste Einrichtungen schließen. Die Regierung reagierte darauf schriftlich. 

Nahezu kein Tag vergeht, ohne dass Wolfgang Schüssel unangenehme Post erhält. Nicht in Form von anonymen Protestschreiben oder elektronischen Schimpftiraden. Schlägt der Kanzler die Zeitungen auf, wird er immer öfter mittels "offener Briefe" an seine "historische Verantwortung" und an seine "ethische Verpflichtung" erinnert. Die drei jüdischen Schriftsteller Robert Schindel, Doron Rabinovici und Robert Menasse machten den Anfang. Letzte Woche schlossen sich auf Initiative von Gerhard Roth gleich mehrere Dutzend Künstler dem Aufruf an. Dann der Kunstsenat. Zuletzt wandte sich noch einmal extra der Autor Michael Köhlmeier via profil an Schüssel. "Das wollen wir doch nicht, Herr Bundeskanzler", schrieb Köhlmeier, "dass unser Bild von Österreich (...) durch Knausrigkeit, die man als hämisch empfinden könnte, angepatzt wird."

  Als Bittsteller


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