I Don't Like Mondays

Kultur | MAYA McKECHNEAY | aus FALTER 29/03 vom 16.07.2003

FILM. Otar Iosselianis "Montagmorgen" ist ein raffiniert komponiertes, aber nicht ganz klischeefreies Manifest gegen die Macht des Weckers über das Individuum. 

Das Schrillen des Weckers bricht jäh über die sanften Klavierakkorde des Vorspanns herein. Es ist Montagmorgen, fünf Uhr früh: Ein Mann zieht sich an. Mit mechanischen Bewegungen füttert er im Hof die Hühner, bevor er den altersschwachen Renault 4 startet und zur Arbeit fährt. Anderthalb Stunden später steht er in der Chemiefabrik. Das gräulich unentschlossene Licht des frühen Tages wird von Schwaden weißer Dämpfe abgelöst. Wenn der Mann die Fabrik wieder verlässt, wird die Dämmerung bereits den nächsten Morgen, das nächste Weckerläuten vorwegnehmen.

  "Montagmorgen" ("Lundi Matin") lautet der programmatische Titel des neuen Films von Otar Iosseliani, in dem der georgische Filmemacher, der seit über zwanzig Jahren im französischen Exil lebt, zunächst minutiös den Kreislauf eines "entzauberten" Alltags aufzeichnet,


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