Glück und Wollust über alles

Kultur | KLAUS NÜCHTERN | aus FALTER 29/03 vom 16.07.2003

LITERATUR. Louis-Ferdinand Célines Klassiker "Reise ans Ende der Nacht" liegt nun in neuer und erstmals vollständiger Übersetzung vor und ist fast so gut, wie immer behauptet wird. 

Louis-Ferdinand Céline gilt gemeinhin als der genialische Kotzbrocken unter den Autoren des 20. Jahrhunderts: "Ein primärer Spucker und Kotzer", lautete die Diagnose des doppelten Berufskollegen Gottfried Benn, wohingegen Philip Roth in dem wegen Kollaboration mit den Nazis aus Frankreich geflohenen und wegen seines rabiaten Antisemitismus notorischen Schriftstellers schlicht "einen großen Befreier" erblickte. Das bezieht sich natürlich nicht auf den politischen Polemiker, sondern auf den Romancier, dessen 1932 erschienenes Debüt "Reise ans Ende der Nacht" sofort Aufsehen erregte und dann doch "nur" mit Renaudot (und nicht mit dem noch um ein Alzerl renommierteren Prix Goncourt) prämiert wurde. Seither ist Célines voluminöser Erstling als mutiger Blick in die Abgründe der menschlichen Existenz gefeiert


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