Fragen Sie Frau Andrea: Schweizerhaus

Stadtleben | aus FALTER 29/03 vom 16.07.2003

Liebe Frau Andrea,

sicher wurde es irgendwo schon mal erörtert, trotzdem brennt mir eine Frage unter den Bierdeckeln: Wieso heißt mein Lieblingsbiergarten Schweizerhaus, wo doch dort vorzugsweise tschechisches Bier ausgeschenkt wird? Und wer sind die Kolarik-Buben?

Pippa Sayn, Landstrasse

Liebe Pippa, gerne lösche ich den Fragenbrand unter ihrem Bierdeckel. 1873 fand im Wiener Prater die Weltausstellung statt. Genau dort, wo heute Kastanien, Nussbäume und Sonnenschirme den berühmtesten Biergarten des Kontinents beschatten, befand sich damals der Pavillon der Schweiz, eine imposante Almhütte vor einem mit dem Matterhorn gekrönten Hochalpenpanorama. Von diesem Gasthaus, das gar nicht mal das erste an diesem Ort gewesen ist, blieb nur der Name. 1920 übernahm Jan KolarÇ ik, ein junger Schankbursch, Garten und Küche. Aus seiner böhmischen Heimat importierte der gelernte Fleischhauer das inzwischen weltberühmte Budweiser, pflanzte Nussbäume als Gelsenprophylaxe, briet Schweinsstelzen als Bierunterlage und erfand so nebenbei die Kartoffelchips. (Als Ursprung aller Potatoe Chips gilt die Rohscheibe, die KolarÇ ik ursprünglich als Temperaturmesser ins Fischfrittieröl geworfen hatte.) Legendär ist auch der Patent-Radimat, eine Maschine, die vom beliebten Biergemüse meterlange und hauchdünne Rettichlocken hobelt. Die Buben (aus dem Firmennamen KolarÇ ik und Buben) sind übrigens nicht die berühmten Schweizerhauskellner. Buben heißt Trommel. So hieß der Kompagnon von Schweizerhausvater Jan KolarÇ ik.

Wenn Sie ungelöste Fragen haben, elektromailen Sie Frau Andrea: dusl@falter.at


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