VOR 20 JAHREN IM FALTER

Vorwort | aus FALTER 30/03 vom 23.07.2003

Geht der Stadtbenützer heute (und mit ihm der stadtbenützende Redaktion) nur mehr achselzuckend an den wild plakatierten Manifestationen des kulturellen, erotischen und politischen Wiener Lebens vorbei, schien dieses aufgepickte Leben dem jungen Falter immer wieder eine ausführliche Betrachtung wert. 20.000 Plakate im Monat waren es, die der Falter im Juli 1983 zählte, und die befragten Plakatierer gaben stolz zu Protokoll, sie kämen bei öS 5,- pro Plakat (36 Cent) auf einen Monatslohn von 40.000 Schilling (2.907 Euro), brutto für netto, versteht sich.

  Kein Wunder, dass auf einem der abgebildeten Fotos ein Mann beim illegalen Affichieren zu sehen ist, den wir heute als einen bekannten Filmproduzenten identifizieren würden, wendete er uns nicht in kluger Voraussicht den Rücken zu. An seiner Latzhose wird ihn, wer ihn kennt, dennoch erkennen.

  Der gute Mann brauchte sich vor Verfolgung nicht zu fürchten: "Im allgemeinen gehen Polizei und andere Behörden mit Schwarzplakatierern eher milde um." Jede andere Praxis hätte einen am Ende der Kreisky-Jahre, in denen sich Radikalität in der Kultur(politik) austoben durfte, auch verwundert. Zugleich bildete sich damals die Kommerzialisierung der Plakatiererszene heraus. Ihr König Wolfgang Bergelt erklärte dem Falter seine Technik und Taktik: »Bei Nacht arbeiten nur noch die Anfänger. Wir rücken in der Früh aus. Wenn die Plakate zu Mittag dann überpickt sind, kommen wir am frühen Nachmittag wieder - die bleiben dann sicher bis zum Abend." A.T.


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