Im Zeichen der Schabe

Kultur | BERNHARD FETZ | aus FALTER 30/03 vom 23.07.2003

LITERATUR. Dmitri Prigov dringt in seinem Roman "Lebt in Moskau!" in den Moloch der russischen Hauptstadt und in die Mythologie der eigenen Kindheit vor. 

Moskau - ehemals Welthauptstadt des Sozialismus und Mittelpunkt des russischen Imperiums, Brennpunkt sozialistischer, nationalistischer und kolonialistischer Ideologien, Moskau als "underground" und Moloch - ist für den 1940 eben dort geborenen künstlerischen Tausendsassa Dmitri Prigov eine Universalmetapher. Die Stadt gleicht einem großen, gewalttätigen Tier. Meistens verharrt es in einem vegetativen Ruhezustand, der nur von gelegentlichen Zuckungen unterbrochen wird. Das sind die Phasen gesellschaftlicher Stagnation, aber auch die Zeit stalinistischer Unterdrückung. Manchmal aber, in Phasen politischer Umbrüche, erwacht dieses Tier zu einer gewalttätigen Bestie, die mordet und unkontrolliert um sich schlägt. In ihren Eingeweiden finden Schlachten statt, und menschliche Körperteile liegen herum.

  Das Buch ist der erste Teil


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