KUNST KURZ

Kultur | NICOLE SCHEYERER | aus FALTER 30/03 vom 23.07.2003

Die Israelin Yael Bartana hat schon mehrfach prägnante Bilder für die extreme politische Situation ihres Heimatlandes gefunden. So filmte die 1970 geborene Künstlerin in "Trembling Time" (2001) den bei Sirenengeheul stoppenden Verkehr auf einer Autobahn: Die Autos halten wegen des "Soldiers Memorial Days", eine der vielen staatlich organisierten Zeremonien und Anlässe, die die nationale Identität eng mit einer Militarisierung der Gesellschaft verknüpfen. Die Kerstin Engholm Galerie zeigt nun Bartanas neueste Videoarbeit (bis 9.8.). "Kings of the Hill" führt auf ein steiles Küstengebiet außerhalb von Tel Aviv, wo sich am Wochenende Besitzer von Geländewägen samt Familie treffen, um ihren Jeeps das Äußerste abzuverlangen. Unermüdlich versuchen die meist mit Vätern und Söhnen besetzten Wägen, Sand- und Felssteigungen zu erklimmen. Inmitten der dröhnenden Motoren sieht man eine Frau mit einem Mädchen bei einer Art Picknick sitzen - als wäre das exzessive Herumgekurve das Normalste auf der Welt. Ein ausschließlich männliches Publikum feuert die Lenker an und fordert sie zu immer extremeren Leistungen heraus. Schnell wird hier das Interesse an der Landnahme unwegsamen Gebiets deutlich, das für einen Gewinn an Territorium auch die Verwüstung der Landschaft nicht scheut. Die unheilvolle männliche Dominanz in Israel, die zuletzt auch in zahlreichen Arbeiten der Ausstellung "The Promise, the Land. Jüdisch-israelische KünstlerInnen im Verhältnis zu Politik und Gesellschaft" im Linzer O.K. Centrum für Gegenwartskunst thematisiert wurde, bringt Bartana in nicht einmal sieben Minuten Film auf den Punkt.


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