STADTRAND: Pferdescheiße

Stadtleben | aus FALTER 30/03 vom 23.07.2003

Nein, diesmal soll es hier nicht um Fiaker gehen. Die Rede ist von dem anderen Pferdekulturgut der Stadt, genau: den Lipizzanern. Und "Lipizzaner Art" nennt sich auch eine Charity-Aktion zugunsten der Spanischen Hofreitschule (haben die so was echt nötig?), für die jetzt in der Innenstadt ungefähr eine Million "künstlerisch gestaltete" Lipizzaner-Nachbauten verteilt wurden. Orange Pferde mit dem MA-48-Mistmonster drauf, rosa Paradepferdchen oder Rösser, die genauso heißen wie Haubenköche: Kunst im öffentlichen Raum auf Lipizzaner-Art oder einfach nur Pferdescheiße? In Zürich und New York verteilte man bereits Plastikkühe, in Berlin warns - trotz Kudamm! - bunte Bären und in Toronto wiederum Elche. Aber muss so was wirklich kopiert werden? Wien ist doch eh schon so voll geräumt mit Zeug und Krempel. Und dürfen wir uns jetzt schon freuen auf weitere Skulpturen aus dem bunten Strauß typischer Wien-Wahrzeichen? Zum Beispiel Hunderte überdimensionale Mozartkugeln, die durch die Kärntner Straße kullern oder riesige Hundstrümmerln aus Fieberglas am Heldenplatz - das würde womöglich den Tourismus ankurbeln. Oder besser noch: Man verteilt gleich meterhohe Poo-Bags aus Gips in der City. Ooops, Fiaker sollten ja hier kein Thema sein.

C. W.


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