Fragen Sie Frau Andrea: Linienzauber

Stadtleben | aus FALTER 30/03 vom 23.07.2003

Liebe Frau Andrea,

warum gibts bei den Wiener Straßenbahnen ein paar Linien, die nach Buchstaben benannt sind (O, N, J, D)? Ist das nicht unlogisch?

Bernhard, Internet

Lieber Bernhard,

ein paar fundamentale Erkenntnisse zur Benützung der Stadt werden Wiener Kindern zwar nicht in die Wiege, aber zumindest in die Schulbank gelegt. Neben der genauen Topographie des Wurstelpraters sind das die Beginnzeiten der Wellen im Stadionbad und die richtige Zuordnung der Zahlen 1 bis 23 zu Postleitzahlen und Bezirksnamen. Die kryptische Nomenklatur der Wiener Linien folgte ursprünglich einem einleuchtenden System. 1907 wurden die von der Pferdebahn übernommenen hieroglyphenartigen Linienkennzeichen durch ein neues, klug durchdachtes System von Buchstaben und Ziffern ersetzt, das als eines der besten der Welt galt und sofort eine eindeutige Orientierungshilfe gab. Die Zahlen 1 bis 20 bezeichneten Rundlinien - zirkulär oder tangential zum Stadtinneren verlaufende Linien. Mit Zahlen von 21 bis 99 wurden Radiallinien - von der Stadtmitte strahlenförmig auswärts führende Linien bezeichnet. Buchstaben und Kombinationen aus Buchstaben und Ziffern trugen Linien, die sowohl über Rund- als auch Radiallinien führten, wobei reine Buchstabenlinien ursprünglich immer über Ring oder Kai führten. Die letzten Relikte einer Vielzahl dieser Buchstabenlinien sind der Jehwong, der Enn, der Südbahnhofzubringer Dehwong und der, von Touristen gerne als Linie "Null" bezeichnete Ohwong.

Wenn auch Sie vor ungelösten Problemen stehen, elektromailen Sie Frau Andrea: dusl@falter.at


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