Presseschau

Medien | eva weissenberger | aus FALTER 31/03 vom 30.07.2003

An einer Geschichte dranbleiben, dem Leser in der nächsten Ausgabe des Blattes neue Erkenntnisse zum Thema liefern - das nennt man weiterziehen, das ist Teil des journalistischen Handwerks. Es freut die Leser, die einen Hang zu Fortsetzungsromanen haben. Und es freut die Journalisten, die sich nicht - je nach Medium - jeden Tag oder jede Woche in ein neues Thema einarbeiten müssen. Für den Aufwand, den News manchmal treibt, ist die Bezeichnung Weiterzieher aber fast eine Beleidigung. Vor zwei Wochen erzählte eine Blondine der Illustrierten, sie habe eine Nacht mit Robbie Williams verbracht. Das war News natürlich einen großen Bericht wert. Dieser - Respekt! - wurde sogar auf Seite 1 der deutschen Bildzeitung zitiert. Eine Woche später brachte News dann ein zweiseitiges Interview mit der Frau, in dem sie "echt geschockt" auf das Medieninteresse an ihrer Person reagiert. Wie gehts jetzt weiter? Zur Auswahl stehen die Veröffentlichung alter Ich-war-jung-und-brauchte-das-Geld-Akt-Fotos durch einen schmierigen Exmanager oder das Dementi von Williams. Im Idealfall beides, das wäre dann die gekonnte Umsetzung des Fallbeispiels "Sabatina" aus dem Lehrbuch für Mediendaramaturgie.


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