FERNSEHEN

Medien | JULIA ORTNER | aus FALTER 31/03 vom 30.07.2003

Ich bin verstört, nachdem ich die letzten beiden Folgen der bis dahin sehenswerten ATV+-Dokusoap "Tausche Familie" gesehen habe. Die Gemeindebauprolos, die diesmal ihre Mutter mit einer schwarzen Flüchtlingsfamilie tauschen, sind unglaublich primitive Rassisten - vom arbeitslosen, gewaltbereiten Vater über seine räudige Frau, die offensichtlich Angst vor dunkelhäutigen Menschen hat, bis hin zum 19-jährigen Sohn, der "kane Nega mog". Die White-Trash-Partie lässt kein rassistisches Klischee aus. Zahlreiche Leser, Freunde und auch einige ATV+-Redakteure sind entsetzt. Darf man Rassismus im Fernsehen zeigen? Ich denke ja, die Frage ist nur wie. Auch Spiras "Alltagsgeschichten" zeigen Ungusteln, die böse über Minderheiten reden. Trotzdem, der Alltagsrassismus in "Tausche Familie" kommt noch härter rüber und du fragst dich: Sind die Sendungsmacher unsensibel auf Quotenjagd, oder soll das echt ein aufklärerisches "Sozialexperiment" sein, das zur Diskussion anregt? Kommt bei allen Zuschauern die schwarze Familie symphatisch an, empfinden alle die Gemeindebaubewohner als Asoziale in einer schmuddeligen Bude? Ich befürchte nein - und deswegen hat der Privatsender jetzt ein echtes Imageproblem. .


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