Bei Schweigen: Kaffee

FILM Mord und Inzest à la Chabrol: Der Chronist der französischen Bourgeoisie schwindelt sich in "La fleur du mal" um die wichtigen Fragen herum. 

Kultur | MICHAEL OMASTA | aus FALTER 31/03 vom 30.07.2003

Bedächtig nähert sich die Kamera einem französischen Landhaus, streicht durch den Garten, an Ziersträuchern vorbei, über einen Kiesweg hinweg; dringt in die Villa ein, kurvt langsam die geschwungene Treppe empor in den ersten Stock, gleitet links den Flur entlang, blickt rechterhand in ein Zimmer, in dem eine junge Frau am Boden kauert; hält vor der halb offenen Türe des nächsten Raumes und zeigt den leblos daliegenden Körper eines Mannes, dessen rechte Hand sorgfältig am Kopfende des Betts drapiert ist.

  So fängt "La fleur du mal" ("Die Blume des Bösen") an, "ein Film von Claude Chabrol": Mit einer Kamerafahrt, die so aufwendig, so auffällig ist, dass sie gar nicht anders kann, als sich später, gegen Ende des Films, noch einmal zu wiederholen. Wie die Geschichte der Familie Charpin-Vasseur, die vor über einem halben Jahrhundert, während des Zweiten Weltkriegs, als Tragödie von Vatermord und Kollaboration begann und sich nun als Farce mit tragischen Untertönen neuerlich


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