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Sabatina, Marketing

Kultur | aus FALTER 31/03 vom 30.07.2003

"Ich mache, was das Marketing sagt."

Sabatina James, zum Christentum konvertierte Muslimin und Buchautorin, zitiert im "Standard"vom 20.6.03

(19. Juni 2002. Gipfel der Bekanntheit. Dünne Luft. Scharfer Wind. In einem Designersessel, gesichert mit Designergurten, MARKETING. Ihm gegenüber, auf einem Campinghocker, SABATINA.)

SABATINA: Die Nacktfotos im News waren gut, oder?

MARKETING: Ja. Aber das "einmal schwach' gewesen" im Standard auch. Du fangst an zum Kapieren. Die Männer beim Schwanz aufgeilen, die Weiber beim Herz. Solide Arbeit.

SABATINA: Wie gehts jetzt weiter?

MARKETING: Deine Familie kommt zusammen und steinigt dich.

SABATINA (entsetzt): Aber dann bin ich ja tot!

MARKETING: Schon.

SABATINA: Kommt nicht infrage.

MARKETING: Salzsäure ins Gesicht?

SABATINA: Nein.

MARKETING: Vergewaltigung?

SABATINA: Wer?

MARKETING: Egal. Moslem wär recht. Jud. Böser Moslem, böser Jud, kommt quotenmäßig immer gut.

SABATINA: Christ nein?

MARKETING: Christ nein. In ein paar Jahren vielleicht, aber so weit sind wir noch nicht.

SABATINA: Dann nein.

MARKETING: Mit dir ist es schwierig.

SABATINA: Ich war ein schwieriges Kind.

MARKETING: Vergiss es. Schwierige Kinder gibts zum Saufuttern.

(Pause. Sie überlegen.)

SABATINA: Eine Audienz beim Papst?

MARKETING: Kannst du garantieren, dass er während der Audienz stirbt?

SABATINA: Nein.

MARKETING: Dann nein.

(Pause. Sie überlegen.)

SABATINA: Könnte man nicht ein Parfum - ?

MARKETING: Nein. Verwechslungsgefahr.

(Vorhang.)


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