Stadtrand

Nitsch im Eissalon

Stadtleben | C.W. | aus FALTER 31/03 vom 30.07.2003

Neulich im Lieblingseissalon. Ein sehr junger und ungeschickter Kellner hat sich in den Kopf gesetzt, auf meinem Schoß eine Art Schüttbild zu veranstalten: eine klebrige Aktionismus-Show, an der Hermann Nitsch seine Freude gehabt hätte. Jedoch statt Blut und Innereien kippte mir der junge Mann Kaffee, Eis und Schlagobers auf Hemd, Hose und Schuhe. Komplett eingesaut: Macht nix, kann passieren. "Gehen Sie sich lieber auf der Toilette waschen", rät die Eiskellner-Kollegin, weil die Kapazitäten des angebotenen Wettex nicht groß sind. Sie weiß wahrscheinlich nicht, was es heißt, komplett mit Eiskaffee überschüttet durch ein voll besetztes Eiscafé zu laufen. Getuschel, mitleidige Blicke und sogar höhnisches Gelächter auf dem Weg zum WC. Dort werde ich dann von Mitbenutzern behandelt, als sei das nicht brauner Kaffee auf und an mir, sondern das andere. Am Rückweg - mittlerweile dürfte sich die Schüttaktion des Kollegen herumgesprochen haben - dann lustige Kommentare der Eisverkäuferschaft. Schließlich der Geschäftsführer: "Bringen Sie die Rechnung der Reinigung." Nein, nein, das macht doch nichts, kein Problem. Den Eisbecher hätten sie mir aber wenigstens schenken können. Vielleicht gehe ich in Zukunft zur Konkurrenz. Ganz in Weiß gekleidet. Dort soll es nämlich blaues Eis geben! C. W.


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