GENERATION GOLF: Wofür soll man eigentlich kämpfen?

Kultur | aus FALTER 32/03 vom 06.08.2003

Mir geht es gut", begann Florian Illies vor drei Jahren sein Erfolgsbuch "Generation Golf. Eine Inspektion", mit dem der damals 28-Jährige bereits ein Resümee über seine Altersgenossen vorlegte - die das Geldverdienen ihren Aktien überließen und sich ansonsten in einer heilen Achtziger-Erinnerungswelt einrichteten.

  "Uns ging es nicht so gut", umreißt der deutsche Journalist die mittlerweile - angesichts von Börsencrash, 11. September und einer kriselnden Weltwirtschaft - gekippte Stimmung. Wer meinte, mit dreißig schon die Weichen für ein Leben mit wenig Arbeit und großem Wohlstand gestellt zu haben, sitzt nun plötzlich ohne Job in seiner Designerwohnung und wundert sich über so viel Tagesfreizeit.

  Da hat man Zeit zum Nachdenken und entdeckt prompt Symptome der in den USA bereits heftig proklamierten Quarterlife-Crisis - "jene Erschöpfung, die einen beschleicht, weil man nicht weiß, wofür man eigentlich kämpfen soll", beschreibt Illies die eigene, zu Selbstmitleid und Tatenlosigkeit neigende Generation, die die Antikriegsdemonstranten höchstens interessiert aus dem Café beobachtet. Dabei sei gerade politische Aktivität gegen die Selbstabsicherungtendenzen der 68er auf Kosten der Jüngeren dringend nötig.

  Keine Frage: Illies ist ein Profi, dessen humorig vorgetragene Analysen zumeist zutreffend sind. Nur neigt er in "Generation Golf zwei" - offenbar als Ausgleich zu der dominierenden Katerstimmung - mitunter auch zu unmotivierten Witzchen, die einem Schüler Harald Schmidts nicht passieren dürften. "Ich könnte mir vorstellen, auch mal was ganz anderes zu machen", wie es leitmotivisch immer wieder heißt, mag sich auch der Autor an seinem Schreibtisch von Zeit zu Zeit gedacht haben. Andererseits: Bei einer Startauflage von 80.000 Büchern will man ihm das nicht so recht abnehmen. S. F.

Florian Illies: Generation Golf zwei.

München 2003 (Blessing). 256 S., E 17,40


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