STADTRAND: Gehts auch meiser?

Stadtleben | aus FALTER 32/03 vom 06.08.2003

Wieder wurde was wahnsinnig Wichtiges wahnsinnig wissenschaftlich verifiziert: Kohlmeisen, die in Städten leben, singen deutlich schriller als ihre Kolleginnen am Land. Wieso? Weil sie dadurch den Fortbestand ihrer Art sichern. Denn würden Meisen tief brummeln - was sie womöglich in nichturbanen Gegenden beim Liebeswerben bevorzugen -, würde das im allgemeinen Grundgeräusch der Stadt akustisch untergehen. Forscher aus den Niederlanden haben das jetzt mittels Tonfrequenzmessung herausgefunden. Ich habe das Gefühl, dass nicht nur holländische Großstadtkohlmeisen schriller sind, sondern auch Wiener Großstadtmenschen. Die halten plärrende Kleinkinder beim Fenster heraus, plaudern mit der Verwandtschaft in Werweißwo, offenbar ohne dazu ein Telefon zu benutzen, und verreisen wochenlang, ohne zuvor den Wecker, der um halb Sieben (morgens und abends!!) läutet, abzuschalten. Gehts auch leiser? Wenn alle glauben, gegen den Lärm der Welt anbrüllen zu müssen, werden die Großstadtkohlmeisen wohl bald ausgestorben sein. Außer sie lernen irgendwie, noch schrillere Töne von sich zu geben. Und diese Vorstellung finde ich jetzt ein ganz klein wenig bedrohlich. Oder haben Sie etwa zu Hause Kohlmeisenlärmschutzfenster? C. W.


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