Ein angekündigter Tod

Politik | NINA HORACZEK und GERALD JOHN | aus FALTER 33/03 vom 13.08.2003

FLÜCHTLINGE. Bei einer Massenschlägerei im Lager Traiskirchen kam ein tschetschenischer Asylwerber ums Leben. Flüchtlingsbetreuer hatten mehrmals vor einer Eskalation gewarnt. Innenminister Ernst Strasser reagierte trotzdem nicht. 

Am Tag nach der Schlägerei drehte Fritz Knotzer eine ausgedehnte Runde durch seine Gemeinde. Einen Passanten nach dem anderen sprach der Traiskirchener Bürgermeister an, um sie "zu beruhigen". Ein hoffnungsloses Unterfangen. Auch "angesehene Bürger", wie Knotzer sagt, waren kaum zu bändigen. "Die hätten sich gleich alle gegenseitig erschlagen sollen", schimpfte einer. "Ich hab daheim eh ein Gewehr", drohte ein anderer: "Gib mir ein paar Schuss frei, Bürgermeister, dann werde ich das schon erledigen."

  "In 18 Jahren Amtszeit schlug mir noch nie so viel Fremdenfeindlichkeit entgegen", erzählt der Sozialdemokrat Knotzer entsetzt: "Wenn nur einem Traiskirchener etwas passiert, habe ich die Leute nicht mehr im Griff. Die Situation droht zu explodieren."


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