GROSSSTADT-MYTHOS

Ein leeres Grab?

Politik | aus FALTER 34/03 vom 20.08.2003

Ende Mai erkannte die Gemeinde Wien auf Initiative der Grünen dem NS-Luftwaffenmajor Walter Nowotny, der 1944 bei Osnabrück abstürzte, sein Ehrengrab am Wiener Zentralfriedhof ab. Die Krone tobte: Herausgeber Hans Dichand rief nach einer Volksabstimmung, Kleinformatabonnenten empörten sich auf der Leserbriefseite, der Bürgermeister wünschte sich sehnlich ein "Ende der Diskussion".

  Auch der Falter erhielt Post zur Causa Nowotny. Leser Sch. etwa wollte die Aufregung um ein "wahrscheinlich leeres Grab" nicht verstehen. "Nach Augenzeugenberichten", erklärte uns Sch., sei "Nowotnys ME 262 nach senkrechtem Absturz in einem Aufschlagbrand" explodiert: "Auch als Laie kann man sich unschwer vorstellen, dass da von einem Menschen nichts mehr übrig bleibt." Ein anderer Leser wies uns darauf hin, dass er Mitte der Neunziger mit Nowotnys ehemaligem Vorgesetzten Adolf Galland, der inzwischen gestorben ist, eine interessante Konversation geführt habe: "Viel Nowotny ist am Zentralfriedhof nicht begraben", soll der General dem Herrn dabei versichert haben.

  Ist da, wo Nowotny draufsteht, er am Ende gar nicht drin? Im Wiener Stadtarchiv gibt ein Dokument darüber Auskunft: Zwei Tage vor Nowotnys Beerdigung stellte der Oberste Verwaltungsrat an die "Gemeindeverwaltung des Reichsgaues Wien" den Antrag auf das Ehrengrab. In dem Schreiben D2 - 2539/44 wird ausdrücklich festgehalten, dass "Nowotny, der Wiener ist", bereits "nach Wien überführt" worden sei. Quod erat demonstrandum. N. W.


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