STREIFENWEISE

Kultur | aus FALTER 34/03 vom 20.08.2003

Nennen wirs "Britcom": das Phänomen der in Großbritannien produzierten, jedoch auf den internationalen, speziell den US-Markt zielenden Komödien. Hauptzutat ist eine große Portion britischer Stiffness, in Verbindung mit Traditionen und Konventionen, gegen die im Handlungsverlauf zu verstoßen ist. Dazu kommt wahlweise eine pittoreske Kulisse (Kleinstadtidyll) sowie ein Ensemble aus knorrigen Käuzen. Der Hype um "Vier Hochzeiten und ein Todesfall" brachte das Ding ins Rollen, es folgten "The Englishman who went up a hill but came down a mountain", "Grasgeflüster" u.a. Manche dieser Konzeptkomödien waren durchaus witzig und charmant. "Grabgeflüster" ("Plots with a View", Regie: Nick Hurran) ist jedoch weder das eine noch das andere. Allzu künstlich bahnt sich die Romanze zwischen Bürgermeistersgattin (Brenda Blethyn) und Bestattungsunternehmer (Alfred Molina) an. Allzu vorhersehbar ist die Vortäuschung ihres Todes samt Niesanfall während der Aufbahrung. Anderthalb Stunden Kitsch und Klamauk nach Schema F - da hilfts auch nichts mehr, dass gelegentlich Christopher Walken durchs Bild steppt.

  Ebenfalls Schmäh nach Schema und eine Hochzeit ohne Todesfall, dafür mit permanentem Sturz in Abgründe menschlicher Geschlechtlichkeit, bietet "American Pie - Jetzt wird geheiratet", Teil 3 des 1999 begonnenen Erfolgsklamauks um juvenile Paarungsriten. Als Variation der "Eingezwickte Eichel"-Szene und anderer Nummern aus "Verrückt nach Mary" zeigt der Film Seann William Scott als hechelnden Jim-Carrey-Ersatz sowie frisch rasiertes Hodenhaar auf der Hochzeitstorte. Mit einem Wort: ein nicht reizloser Zeitvertreib - Kino als tröstliches Probehandeln in einer Welt, in der die Vermittlung zwischen Privatheit (Körper) und Öffentlichkeit (Gesetz) im Wege ritualisierter Peinlichkeit erfolgt. Und: Die Szene in der Gay-Bar ist überraschenderweise nicht schwulenfeindlich.

MAYA McKECHNEAY

DREHLI ROBNIK


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