Der Detektiv des Lichts

Kultur | MATTHIAS DUSINI | aus FALTER 34/03 vom 20.08.2003

FOTOGRAFIE In der Albertina ist eine Werkschau des Fotografen Brassaï (1899-1984) zu sehen. Seinen Erkundungen des Pariser Undergrounds bescheinigt auch die Wiener Fotografin Lisl Ponger Klassikerqualitäten. 

Fast wäre aus ihm ein richtiger Fotoreporter geworden. Am 25. August 1944 erreichen die Panzer der Befreiungsarmee Brassaïs Haus in Paris. Von der Erhabenheit des Augenblicks erfasst, greift der damals 45-jährige Fotograf zur Kamera und tritt ans Fenster. Da man ihn für einen Heckenschützen hält, wird er mit ein paar Schüssen bedacht, die ihn knapp verfehlen. Statt der Panzer fotografiert er nun das Bild der Verwüstung in seinem Badezimmer. Der zersprungene Spiegel und der Putz, der vom Einschussloch auf das Glasregal mit dem Rasierzeug herabgebröckelt ist, ergeben ein malerisches Stillleben, dessen Schrecken sich erst auf den zweiten Blick erschließt. Der Blickwechsel ist nicht nur eine Sicherheitsmaßnahme.

  Den Fotografen "ekeln Sensationen aus tiefster Seele", schreibt


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