KUNST KURZ

Kultur | NICOLE SCHEYERER | aus FALTER 34/03 vom 20.08.2003

Über vierzig Innenstadtgeschäfte wie Lobmeyr, Sir Anthony oder Backhausen bieten derzeit nicht nur ihre üblichen Luxuswaren feil, sondern werden von dem Amerikaner Mel Ziegler auch als Ort einer künstlerischen Intervention genutzt. Ziegler referiert in seinem Secessions-Projekt "Stuffed" (bis 7.9.) auf die Anfänge bürgerlicher Konsumkultur und musealer Präsentationen im 19. Jahrhundert, wofür der 1956 geborene Künstler die Vitrine als Symbol benützt. In die Galerie der Secession stellt Ziegler Biedermeierglasschränke aus diversen Wiener Museen mit dem "Gesicht" zur Wand und führt so deren Ausstellungsfunktion in Verweigerung derselben vor. Vitrinen, die bis oben hin mit Stroh gefüllt sind, platziert der Künstler in den Innenstadtboutiquen. Das ländliche, goldfarbene Material soll eine Spannung zum urbanen luxuriösen Repräsentationsrahmen aufbauen.

  Kein kulturhistorisches, sondern ein sehr persönliches Thema behandelt der österreichische Künstler Norbert Brunner im Grafischen Kabinett der Secession: seine eigene Schlaflosigkeit. In skurrilen Zeichnungen taucht immer wieder das Muster eines blau-weiß-gestreiften Pyjamas auf sowie Brunners Selbstporträt, seine Hände und Füße, die rastlos Schlafzimmermöbel abtasten und den Raum vermessen. Und auch eine Kommode mit Spiegelaufsatz, eine "Psyche", wie ein solcher Frisiertisch altösterreichisch heißt. Zu Brunners Ausstellung "Im Spiegel der Psyche" (bis 7.9.) gehört außerdem ein wildes Hörspiel, das die Quälgeister der Nacht deftig zu Wort kommen lässt: "Herr im Himmel, das ganze ungläubige Rom zünde ich dir an, nur für einmal einen guten Brunz!"


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