Fragen sie Frau Andrea

Stadtleben | aus FALTER 34/03 vom 20.08.2003

Jesu Vorhaut

Liebe Frau Andrea,

die Nonnen, bei denen ich zur Schule ging, trugen als Zeichen ihrer Vermählung mit Christus Eheringe. Einmal erwähnte Sr. Benedikta, unsere Turnlehrerin, die wahren Eheringe der Nonnen sähen ganz anders aus, wären nicht aus Gold, sondern allerheiligste Körperteile des Herrn. Das kann doch wohl nicht stimmen, Jesus ist doch in den Himmel gefahren und hat keine Teile hinterlassen. Bitte klären Sie mich auf!

Sabine Albert, Leopoldstadt

Liebe Sabine,

gerne kläre ich Sie über den Heiratsschmuck der Bräute Christi auf. Die von Ihnen erwähnten "wahren Eheringe" sind sancta praeputia, Vorhäute Jesu. Bei diesem, doch sehr intimen Gewebe handelt es sich um den jahrhundertelang an mindestens 13 Orten verehrten, angeblich bei der Beschneidung des jungen jüdischen Tischlersohnes (Lukas 2, 21) gewonnenen und als Reliquie entsprechend wundersam überlieferten membrum virile Jesu. Der Vorhaut Jesu, im kirchlichen Schamgefühl "heilige Tugend" genannt, gedachte die katholische Kirche am 1. Januar, acht Tage nach Christi Geburt, mit dem "Fest der Beschneidung des Herrn" - bis der Vatikan 1960 den Gedenktag verschämt in "Oktav der Geburt des Herrn" umbenannte. Das kostbare Vorhäutchen wurde der Heiligen Katharina von Siena während einer Ekstase von Jesse persönlich geschenkt und war nur der Heiligen selbst sichtbar. Neben den Nonnen dieser Welt interessieren sich auch obskure Genforscher für den seltenen Körperteil, sie wollen nichts Geringeres als daraus Christus klonen.

Wenn auch Sie vor ungelösten Problemen stehen, elektromailen Sie Frau Andrea: dusl@falter.at


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