PHETTBERGS PREDIGTDIENST

Febreze!

Stadtleben | H.PHETTBERG | aus FALTER 34/03 vom 20.08.2003

... Nichts, was von außen in den Menschen hineinkommt, kann ihn unrein machen ... Denn von innen, aus dem Herzen der Menchen, kommen die bösen Gedanken, Unzucht, Diebstahl, Mord, Ehebruch, Habgier, Bosheit, Hinterlist, Aschweifung (bl. Tippfehler für "Ausschweifung"), Neid, Verleumdung, Hochmut und Unvernunft ...

Mk 7,1-8.14-15.21-23

(Evangelium am 22. Sonntag im Jahreskreis eines Lesejahres B)

In der heutigen Sonntagsliturgie beschwört Mose zunächst die Einhaltung aller Vorschriften, während Jesus sich gegen Formalismen wendet. Auch ich, beim Urinieren, erreiche den Meinen nicht mehr. Nur beim Liegen auf der rechten Seite erlange ich mit der Linken noch das Masturbieren. Und nur wenn ich in der Badewanne auf dem Bauch läge, könnte ich das Ganze da unten waschen. Darum wasche ich am Pissoir auch formell die Hände nicht. Wenn ich überhaupt ein Pissoir erreiche, denn die Inkontinenz an jeder Straßenecke zwingt mich zu viel Schrecklicherem. Ich nehme den Gummizug mit beiden Händen soweit hinunter, wie die Arme reichen, denn die unbeschreibliche Kürze entlässt den Strahl sehr ungeordnet, und vieles davon geht in die Unterhosenlosigkeit. Aus diesem Grund stellte mir McGoohan Febreze vor, den Spray, der entwickelt wurde, auf dass ich nicht stänke.

  Gestern im Kultursommergespräch aus Graz: Drei Wohlhabende diskutierten mit zwei armen Schluckys, und natürlich waren die Reichen stärker in ihrer Selbstsicherheit als die Armen. Denn wir müssen darüber nachdenken, wie wir unser Fressen finanzieren, können uns also sozial nicht verfestigen, unser Erscheinungsbild stabilisieren. Und so gibt es also gar keine Gegenpositionen mehr, denn die Siegys haben das ganze Terrain voll Vernunft und in Ruhe durchdacht, während die Armen zurückbleiben mussten, um in Gram und Sucht umzukommen. Ich habe diesen "Predigtdienst" vor zwei Stunden zu Ende geschrieben. Dann klopfte ich zu kräftig auf die Taste "Punkt", und alles verschwand spurlos im Computer. So merke ich meine Ärmlichkeit in der Wiederholung. Und höre lieber auf, billig mich selber zu kolportieren. Er hieß Febrize und war so großartig im Beschreiben des Komplizierten. Und jetzt ist alles nur mehr schal. Das Größte aber ist, sich selbst zu verzeihen. Ich klopfte so glücklich den Punkt, und alles war weg ...

Die ungekürzte Version des "Predigtdienstes" ist über www.falter.at zu abonnieren.


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige