VOR 20 JAHREN IM FALTER

Vorwort | aus FALTER 35/03 vom 27.08.2003

Das Titelblatt zeigte kommentarlos eine Wetterkarte Europas. Auf Seite 2 eine Kurzmeldung in der Rubrik "Kurz und Klein aus Nah und Fern": "Kaffehausbestand (Wien). Das alteingesessene Leopoldstädter Billardcafé Niebauer ist in aller Stille ausgeräumt worden. Die geförderten Millionenbeträge für die künstliche Renovierung zentraler Renommierstätten wie Café Schwarzenberg, Café Landtmann oder Café Zentral haben die Taborstraße nicht erreicht." Soviel zum Falter-Verdruss am kleinen Wiener Kosmos.

  Die Falter-Abteilung "Lebensfreude" schlug im "Sommer-Spezial" zurück mit einem Praterbummel, der unglaublicherweise von einem viertelseitigen Inserat des Schweizerhauses begleitet wurde. Man prüfte diverse Gastgärten auf Bier- und Ölqualität (des Frittierten) und demonstrierte soziale Kompetenz: Seit dem Auslaufen der Hochkonjunktur sinke die Nachfrage nach Stelzen, "Rohscheiben und Puffer ziehen an". Dazu gab's einen Testbericht von Pratermusik: "Beim Holländerschiff werden wir erstmals fündig. Ein Ensemble mit dem exaltierten Namen Peters Band zieht vor gezählten vier Zuschauern seine Show ab."

  Weiters testete Architektin Maria Auböck Wiens Eissalons auf Qualität und Ästhetik. Merke: In den 50er-Jahren sollte "ein Eissalon kalt, fad und hell sein! Ich wollte mein Eis schnell. Nun durchschleicht die Stadt ein neuer Trend: Der Hang zur modischen Beweglichkeit treibt Lokalbesitzer dazu, ihr Lokal ästhetisch zu vermiesen, zu verflachen" und mit Velour, Eichenwand, Polstersitzen und falschem Messing zu zerstören. A.T.


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