STANDPUNKT

Strassers Chance

Politik | aus FALTER 35/03 vom 27.08.2003

Der Innenminister hat der Bevölkerung im Fall des toten Mauretaniers Cheibani Wague versichert, dass alles "vorschriftsgemäß" gelaufen sei. Wenn das so wäre, sollte Strasser die Vorschriften möglichst schnell ändern, aber vorher noch den Akt des Falles studieren (siehe Seite 13). Wie stümperhaft hier doch von Polizisten mit einem psychisch Kranken umgegangen wurde! Da bitten Beamte doch tatsächlich darum, einem Kranken die Medizin zu verweigern, damit der Polizeiarzt die Einweisung in die Psychiatrie aussprechen kann. Da wundern sich die Polizisten scheinheilig darüber, dass Wague nach ihrer Amtshandlung wiederbelebt werden musste. Nun schieben die Polizisten die Schuld auf den Notarzt und beteuern, "angemessen" vorgegangen zu sein, nachdem sie auf dem Verhafteten gestanden waren und gekniet haben. Es passiert nicht zum ersten Mal, dass ein geistig Verwirrter einfach unter dem Gewicht der Staatsgewalt "ex" geht. Der Fall Wague, man kann es nicht oft genug sagen, taugt nicht zum Ideologiestreit. Er ist kein Musterbeispiel für "staatlichen Rassismus", wie einige vermuten, die den Ausgang der Ermittlungen nicht abwarten wollen. Der Fall zeigt lediglich, dass die Polizei im Umgang mit Psychiatriepatienten noch im vorigen Jahrhundert steckt. Motto: Widerstand brechen und fesseln. Strasser hätte eine große Chance, das zu ändern. Bis jetzt hat er nur seine Beamten gedeckt. F. K.


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