KUNST KURZ

Kultur | NICOLE SCHEYERER | aus FALTER 35/03 vom 27.08.2003

Allen, die sich für die österreichische Kunst der unmittelbaren Nachkriegszeit interessieren, sei die Ausstellung "Mythos Art Club" in der Kunsthalle Krems (bis 7.9.) ans Herz gelegt. Im zerbombten Wien wurde 1947 nach Vorbild des römischen Art Clubs eine freie, international ausgerichtete und antifaschistische Künstlervereinigung gegründet, die fünf Jahre lang existierte. Richtig in Schwung kam die Österreich-Sektion jedoch erst durch ihr Clublokal "Strohkoffer" unter der Loos-Bar, in dem in 15 Monaten 18 Ausstellungen vieler zuvor "Entarteter" sowie eine Menge an Lesungen (u.a. der erst 1954 offiziell gegründeten Wiener Gruppe) und Konzerten stattfanden. Maximal divergierende Strömungen nutzten hier ein gemeinsames Forum: Vertreter der späteren Wiener Schule des Phantastischen Realismus bespielten das mit Strohmatten tapezierte Kellerlokal ebenso wie die "Abstrakten" Josef Mikl oder Wolfgang Hollegha.

  Auch der Frauenanteil des um die sechzig Mitglieder umfassenden Art Clubs konnte sich sehen lassen: Die aktuelle Schau zeigt frühe Arbeiten von Maria Lassnig, Zeichnungen der 1960 nach Nigeria ausgewanderten Susanne Wenger und die schönen Terrakottaplastiken von Maria Biljan-Bilger. Aus dem Übermaß technisch ausgefeilter, unerträglich schwülstiger Gemälde stechen Arnulf Rainers "Blindmalerei" (1951) und Curt Stenverts poppiges "Lesbia contra Motor" (1947) heraus. Insgesamt beeindruckt hier weniger die Kunst als die Dokumentation eines Beispiels für - hierzulande eher unübliche - künstlerische Selbstorganisation und solidarischen Elan über die unterschiedlichen Lager hinweg.


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