STANDPUNKT: Kinder hinter Gittern

Politik | aus FALTER 36/03 vom 03.09.2003

Ein 14-jähriger Bub wurde kürzlich im neuen Jugendgefängnis im Grauen Haus vergewaltigt (siehe Seite 16). Die Behörden versichern, dass "solche Fälle leider nicht verhindert werden können". In einem Gefängnis, einer "totalitären Institution" (Anstaltsleiter Peter Prechtl) könne es eben zu Übergriffen kommen. Natürlich hätte dieser Fall verhindert werden können. Man hätte den rumänischen Buben erst gar nicht einsperren dürfen. Er war ja kein Kapitalverbrecher, sondern ein Zahnbürsteldieb. Wieso kommt so ein Mensch überhaupt so leicht ins Graue Haus, in diese "Zwingburg des Rechts" (ein Bewährungshelfer)? Wieso musste der Bursche in einem "Spazierhof" seine Runden drehen? Wegen einer Schadenssumme von 57 Euro? Deshalb sitzt man in Österreich hinter Gittern? Was haben sich die als liberal geltenden Jugendrichter dabei gedacht? Wieso sind sie einem Haftantrag der Staatsanwaltschaft gefolgt, die fladernde Ausländerkinder offenbar am liebsten hinter Gittern sehen will? Wozu haben wir ein fortschrittliches Jugendstrafrecht, wenn autoritäre Justizfunktionäre Halbwüchsige wegen "Mickymausdelikten" in Haft nehmen, wo sie dann brutal vergewaltigt werden? So leicht darf man diesen Fall nicht zu den Akten legen. Es wird Zeit, hinter die Mauern des heimischen Jugendvollzuges zu blicken. Bei dem liegt offenbar einiges im Argen. F. K.


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