FERNSEHEN

Medien | ANDREA MARIA DUSL | aus FALTER 36/03 vom 03.09.2003

Retro ist in. Und Retro hat viele Namen, zum Beispiel Ostalgie-Show. Das deutsche Fernsehen gefällt sich neuerdings dabei, jenen Teil des Landes, der einst hinter der Mauer lag, am harmlosesten Zipfel seiner Geschichte anzufassen: am Alltag. Den Anfang machte das ZDF mit der "Ostalgie Show". RTL konterte mit der "DDR Show", der MDR schickte seine Show "Ein Kessel DDR" ins Rennen. Sat.1 zog nach und machte die Quote mit einer "ultimativen Ost-Show". Das Genre der unpolitischen Polit-Show bedient beide Deutschlands gleichermaßen. Den ehemaligen Bürgern der "Dädä-Är" erlaubt es den verklärenden Blick der zeitlichen Distanz auf die Oberfläche ihrer Geschichte: auf Namen und Design von Seifen, Säften und Salzgebäck. Für die Bundesbürger (und uns Fernsehzaungäste) haben die DDR-Shows den Zauber des Skurrilen: seltsame Popstars, seltsame Spitzensportler, seltsame Serienhelden. Ähnliches Fernsehen erübrigt sich hierzulande mangels österreichischer DDR. Der ORF macht mittlerweile ohnedies Programm aus den späten Sechzigern. Eine Briefmarkensammelsendung und der gute alte Bastelonkel sind sicher schon in Entwicklung.


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