Das Glück der anderen

Kultur | KLAUS NÜCHTERN | aus FALTER 36/03 vom 03.09.2003

FILM. In seinem Frühwerk "Bianca", das nun erstmals in Wien zu sehen ist, verzweifelt Nanni Moretti an der Endlichkeit der Liebe. 

Michele ist Mathematikprofessor und stets korrekt gekleidet: meist mit Krawatte und Sakko, immer mit tadellos gepflegten schwarzen Schuhen, von denen acht identische Paare im Schrank stehen. Hinter der Ordnung wohnt das Chaos, das haben wir - gut geschult in einer Hermeneutik des Verdachts - nicht zuletzt im Kino gelernt. Aber Nanni Moretti, der italienische Film-Autist, ist nicht Claude Chabrol, und so geht es hier auch nicht darum, die Welt des - wie stets von Moretti selbst gespielten - Michele genüsslich auseinander zu nehmen und der Bigotterie zu überführen. In "Bianca" (1984), der bald zwanzig Jahre auf dem Buckel hat und nun bei uns zum ersten Mal (regulär) ins Kino kommt, steht von Anfang an fest: Die Menschen sind von der Rolle, die Welt ist aus den Angeln - jedenfalls aus der Sicht Micheles (und eine andere wird einem in der mondo monomanico


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