STREIFENWEISE

Kultur | MICHAEL OMASTA | aus FALTER 36/03 vom 03.09.2003

Gemessen an seinem unsinnigen deutschen Verleihtitel ("Gefühle, die man sieht ...") ist "Things You Can Tell Just by Looking at Her" von Rodrigo Garcia ein gar nicht übler Film. Erzählt werden fünf Geschichten von Frauen: einer Ärztin, die ihre Mutter pflegt und sich Karten für die Zukunft legen lässt; einer Bankmanagerin, die eine Abtreibung hat; eines lesbischen Paares; einer Kommissarin und ihrer blinden Schwestern; einer allein erziehenden Mutter, die sich zum Amusement ihres Sohnes mit dem Liliputaner next door anfreundet. Das klingt skurril und ist es auch. Dennoch, gerade die letztgenannte Episode hat was. Charme und etwas, das dem öden Kalkül des Films und seiner Besetzung zuwiderläuft: Kathy Baker ist, mit den übrigen Hauptdarstellerinnen verglichen, kein Star - weshalb man "just by looking at her" mehr entdecken kann als bei Glenn Close, Cameron Diaz, Calista Flockhart, Holly Hunter und Valeria Golino zusammen.

  Viel zu schauen, nix zu entdecken gibts im Gartenbau bei seinem "James Bond Festival: alle fünf 007s, die ersten zwanzig Filme, alle in Originalfassung bzw. mit deutschen Untertiteln. - Aus gegebenem Anlass dieses "Meilensteins im Niedergang des Kinos", noch einmal das schöne Zitat von François Truffaut aus einem Gespräch mit Marcel Ophüls (1978): "Parodien hat es immer gegeben, aber das war kein bedeutendes Genre, es war etwas für Snobs in Cabarets, doch Bond hat die Parodie unglücklicherweise populär gemacht - so populär wie das Erzählen von glaubwürdigen Geschichten. (...) Das ist einfach eine Form von Zynismus."

  Last-Minute-Empfehlung: "Superstar: The Karen Carpenter Story" von 1987. Todd Haynes' offiziell verbotenes Dokupuppendrama über die Carpenters und ihre Leadsängerin, die sich 32-jährig, "Long ago and oh so far away", zu Tode hungerte, ist hierzulande erstmals nach elf Jahren wieder zu sehen (Mumok, Factory, 4.9., 19.30 Uhr).


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