OHREN AUF! Forever Young?

Kultur | GERHARD STÖGER | aus FALTER 36/03 vom 03.09.2003

Ist er ein reaktionärer Hippie? Ein anarchischer Freigeist? Ein grantig lärmender Botschafter des Friedens und der Liebe? Oder einfach nur ein großartiger Songwriter mit einem zuweilen allzu ausgeprägten Faible für die kräftig gewürgte Stromgitarre? Neil Young war von jeher eine ambivalente Figur; ähnlich wie Bob Dylan gilt der 57-jährige Kanadier einer umfangreichen Fangemeinde aber nicht nur als Musiker, sondern fast schon als Religion.

Die aktuelle Predigt titelt "Greendale" (Reprise/Warner). Unterstützt von seinen langjährigen Weggefährten, der rustikalen Rockcombo Crazy Horse, entwirft Young auf diesem Konzeptwerk das fiktive Szenario einer US-Kleinstadt, in der Satan höchstpersönlich im Knast sitzt. Das musikalisch einmal mehr selbstreferenziell anmutende, dabei aber sehr stimmungsvolle Album ist um Klassen besser als sein im 11.-September-Pathos versinkender Vorgänger "Are You Passionate?". Fans sollte der Kniefall vor dem Herrn also wieder deutlich leichter fallen;


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