Fragen Sie Frau Andrea: Übers Kitzeln

Stadtleben | aus FALTER 36/03 vom 03.09.2003

Liebe Frau Andrea,

seit ich ein Kind bin, martert mich eine Frage, die so simpel wie universell ist: Warum kann man sich nicht selber kitzeln? Und warum lachen wir, wenn wir gekitzelt werden? Doris Singer, Erdberg

Liebe Doris, Lachen beim Gekitzeltwerden ist eine natürliche Reaktion, Lachen ist die kleine Schwester der Panik. Dem profanen Mechanismus, der ursprünglich dazu diente, Käfer und Spinnen zu vertreiben, verdankt die Zunft der Spaßmacher und Kabarettisten ihr täglich Brot. Aber: So unwahrscheinlich es ist, von der Pointe eines selbst erzählten Witzes überrascht zu werden, so unmöglich ist es, sich selbst zu kitzeln. Hirnforscher am University College in London haben das Kleinhirn als den Teil des Gehirns ausgemacht, der uns am Selbstkitzeln hindert. Es überwacht unsere Bewegungen, kann erwartete von unerwarteten Empfindungen unterscheiden. Diese Fähigkeit ist im Laufe der Evolution entstanden, um aus der Flut von Reizen die wirklich wichtigen auszusortieren. "Kitzeln durch Fremdeinwirkung" hat dabei für das Gehirn eine höhere Priorität als Selbstkitzeln. Menschen, die an Schizophrenie leiden, verlieren diese Fähigkeit. Sie sind die Einzigen, die sich selbst kitzeln können. Es geht aber auch ohne Schizophrenie. Erwähnte britische Wissenschaftler haben einen Kitzelroboter erfunden, der durch eine Fernbedienung gesteuert wird. Der Trick: Durch eine 200 Millisekunden lange Verzögerung zwischen dem Drücken der Kitzeltaste und dem Roboterkitzeln können Sie Ihr Kleinhirn täuschen und erfolgreich selbst kitzeln.

Wenn auch Sie vor ungelösten Problemen stehen, elektromailen Sie Frau Andrea: dusl@falter.at


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