TIER DER WOCHE: Sündenflut


PETER IWANIEWICZ
Stadtleben | aus FALTER 36/03 vom 03.09.2003

Trink ich Wasser, werd ich faul,

trink ich Dünnbier, zieh ichs Maul.

Trink ich Bockbier, werd ich voll,

endlich weiß ich, was ich trinken soll!

Die Schule hat wieder begonnen, und passend zu diesem Anlass hätte sich nach simpler, alphabetischer Logik das erste aller Tiere, der Aal, angeboten. Dann fiel mir aber in den Medien die gerade aktuelle Häufung des Wortes "Sündenbock" auf. Egal ob Biowaffenexperte, Politiker oder Manager, diese Sündenböcke mussten für Verfehlungen büßen, die sie zum Teil selbst gar nicht begangen hatten. Ein Brauch mit langer Tradition, den man schon im Alten Testament findet. Am jüdischen Versöhnungstag erhielten die Hohepriester von den Gläubigen zwei Ziegenböcke. Einer davon wurde Gott am Altar geopfert, auf den anderen hingegen wurden symbolisch alle Sünden Israels abgeladen. Dann jagte man das Tier samt seinen Verfehlungen in die Wüste, wo es dem Urteil und Willen des Herrn überlassen blieb.

Ein Ritual, das sich in seiner simplen Praktikabilität

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