STANDPUNKT: Pannenkönigin

Politik | aus FALTER 37/03 vom 10.09.2003

Jetzt ist schon wieder was passiert. Der Skandal rund um vernachlässigte und unmenschlich behandelte alte Menschen im Pflegeheim Lainz ist nicht die erste heikle Panne im roten Wiener Gesundheitsressort, seitdem es Elisabeth Pittermann vor zweieinhalb Jahren übernommen hat. Nur ein paar Höhepunkte: Bei der Affäre rund um Hepatitis-Fälle im SMZ-Ost wusste Pittermann lange nicht einmal, was im Spital passiert war. Als Cheibani Wague unter den Füßen der Wiener Rettung und Polizei starb, ließ sie die Sanitäter zwar suspendieren, erklärte aber schon vor der Untersuchung, primär sei die Polizei schuld. Nach Auffliegen der Lainzer Affäre versetzt sie jetzt das Pflegepersonal, eine Schwester bekommt ein Disziplinarverfahren. Die Verantwortung dafür, dass es im Heim bekanntermaßen schon länger Personalmangel und Missstände gab, übernimmt Pittermann nicht. Die renommierte Primarärztin, mehr Medizinerin als politischer Vollprofi, erkennt nicht, dass sie selbst Teil des Problems ist. Überfordert mit einem Riesenressort. Mit wenig Rückhalt bei den Parteifreunden und schlecht informiert von Beamten, die sie gerne ausrutschen lassen. Und dann hat sie auch noch ein miserables Krisenmanagement. Fragt sich bloß, wie jemand in einer derartig schwachen Position das System so verbessern kann, dass ein Fall Lainz nicht noch einmal vorkommt. J. O.


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