Frau Galli sucht das Glück

Kultur | KLAUS KASTBERGER | aus FALTER 37/03 vom 10.09.2003

TOTE MUTTER. In seinem Erzählband "Mutter Töten" verwandelt Jürg Amann autobiografische Erinnerungen in ungeheuer dichte Literatur. 

Ein starker Beginn eines unglaublich starken Buches. Gleich im ersten Text seines neuen Erzählbandes "Mutter Töten" beschreibt der Schweizer Autor Jürg Amann, wie er als Kind mit der Mutter ins Dorf von deren Vater gereist ist. Dass der Mann verstorben sein musste, war den beiden aus einer winzigen Veränderung heraus klar geworden: Im Herbst 1956 kam jener Jutesack mit Kastanien nicht mehr bei ihnen an, der bis dahin jedes Jahr gekommen war. Daraufhin stellte man Nachforschungen an und erhielt die telefonische Bestätigung: "Il signor Galli è morto."

  Dieser Herr Galli, der Großvater des erzählenden Buben, ist ein schöner Herr gewesen: Einst hatte er am Bau des Gotthardtunnels mitgewirkt, in einer einsamen Nacht schwängerte er in einem Dorf neben der Baustelle ein Mädchen. Er versprach, mit ihr leben zu wollen, sobald das Bauwerk fertig gestellt


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