STANDPUNKT: Crazy like a fool?

Politik | aus FALTER 38/03 vom 17.09.2003

Das böse Ausland streckt seine gierigen Finger nach einem Stahlwerk aus, das für den Arbeitsmarkt in der Gegend sehr wichtig ist. Bald sind Regionalwahlen, also übernimmt der Landesfürst das Unternehmen kurzerhand gemeinsam mit der Landesbank. Hier geht es natürlich um die Voest. Allerdings war der Stahlkonzern 1998 nicht das arme Opfer, sondern die Linzer wollten das Werk Salzgitter in Niedersachsen kaufen. Der Ministerpräsident, der seine Wahl mit diesem Coup gewann, war ein gewisser Gerhard Schröder, heute Bundeskanzler der BRD. Und somit Chef jener rot-grünen Regierung, die - so die ÖVP-Propaganda aus dem letzten Nationalratswahlkampf - das einstmals florierende Deutschland schnurstracks in Chaos und wirtschaftliches Verderben geführt hat. Erst vergangene Woche schimpfte Kanzler Wolfgang Schüssel bei einer Veranstaltung seiner bayrischen Parteifreunde in München wieder einmal über Schröders Reformunwilligkeit. Beim Wahlkampfauftakt der ÖVP vor einem Jahr hatte der oberösterreichische Landeshauptmann Josef Pühringer gesagt: "Der Blick ins rot-grüne Deutschland zeigt, wie es nicht sein soll." Und jetzt verländert ausgerechnet "Daddy Cool", wie sich "Dr. Joe" in diesem Wahlkampf nennt, den Staatsanteil der Voest und erinnert damit frappant an Schröder. Crazy like a fool, Daddy Cool? E. W.


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