STREIFENWEISE

Kultur | DREHLI ROBNIK und MICHAEL LOEBENSTEIN | aus FALTER 38/03 vom 17.09.2003

An Sergio Leones Lied vom Tod namens "Once Upon a Time in the West" will Robert Rodriguez' "Once Upon a Time in Mexico" anklingen. Dabei ist der Film bloß die dritte Variante der Action-Oper vom melancholischen Gitarrero/Pistolero im Rachekampf gegen das Kartell, die Rodriguez schon 1993 als "El Mariachi" und 1995 als "Desperado" inszeniert hat. "Irgendwann in Mexico" heißt Version 3.0 auf Deutsch, und irgendwann in den Nineties (mit Filmen wie Rodriguez' Splatter-Ulk "From Dusk Til Dawn") ist zur Konvention erstarrt, was sich hier als Raserei gibt. Der Film plätschert in Hysterie vor sich hin. Alles will mitreißen und schocken, manches ist tatsächlich nett: routinierte Synästhetik von Klampfe und Knarre, Flamenco-Techno und Baller-Ballett, üppiger Latino-Barock des allseitig jäh im Kugelhagel dahinwelkenden Lebens, das im Verfall erblüht - in manierierten Massakern oder Mickey Rourkes aufgedunsenem Antlitz. Ansonsten trägt Johnny Depp viele Kostüme, Salma Hayek zu Rückblenden bei, Enrique Iglesias eine geile Frisur und Antonio Banderas zunehmend Hansihinterseerhaftigkeit zur Schau. Rezeption empfiehlt sich nur nach Genuss von mexikanischen Schwammerln (ist aber verboten) oder sechs Vierterln Sturm (macht aber Durchfall).

  Auch ein Desperado, allerdings mit Betonung auf desperat, ist Pan, der unglücksgeplagte Protagonist des thailändischen Musik-Melodramas "Mon-rak Transistor". Wiewohl die Geschichte von Aufstieg, Fall und finaler Erkenntnis über das Glück, das bekanntlich "immer so nah gewesen wäre", einigermaßen schematisch ist, verzichtet Regisseur Pen-ek Ratanaruang auf wohltuende Weise auf den offensichtlichsten Ethno-Retro-Kitsch - die Musiknummern sind schön inszeniert, und das artifiziell ins Dunkel schicksalhafter Unausweichlichkeit gehüllte Bangkok von düsterem Charme.


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