STADTRAND: Null Komma Mitdenk

Stadtleben | aus FALTER 38/03 vom 17.09.2003

Wie zynisch ist das denn? Unlängst stand am Straßenrand ein Unfallauto. Totalschaden. Die Türen eingedrückt, das Glas aus den Fenstern gesplittert. Über eine ganze Wagenseite klebte das riesige Transparent eines Alkoholfrei-Bier-Herstellers aus dem 16. Bezirk: "Das nächste Mal Null Komma Josef", hieß es darauf. Das Mega-Pickerl hatte ganz offensichtlich den Zweck, erstens die Reste des zerbeulten Wagens zusammenzuhalten - und zweitens auf die möglichen Folgen von Alkohol am Steuer hinzuweisen. Davon abgesehen, dass unheimlich viele Unfälle aufgrund unheimlich alkoholisierter Autofahrer zustande kommen - die Bierreklame am Schrottauto kommt dann doch sehr böse rüber. Und selbst wenn die Werbestrategen in jedem einzelnen Fall vorher prüfen lassen, ob tatsächlich Alkohol am Unfall schuld war: Wieso werben Bier- und Schnapsbrauer nicht gleich in ihren Spots und auf Plakaten mit Bildern von Crashs, Unfallopfern und Rehabkliniken? Das ist übrigens gar nicht so abwegig. Immerhin bilden Zigarettenhersteller demnächst auf Tschickpackerln ganze Krankenakten ab. Tumor-Bilder und Raucherbeine in leuchtenden Farben zur Abschreckung: Das nächste Mal Null Komma Teer, oder was? Unfallautos sind jedenfalls nicht die beste Reklamefläche.

C. W.


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige